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play more football - neue Spielformen und Trainingskonzepte in der Schweiz - Interview mit Daniel Widmer

Daniel Widmer ist Mitgründer und Trainer der justfootball Academy in der Nähe von Basel. Im Interview erzählt er uns, wie sich der Kinderfußball in der Schweiz im Wettspiel verändert hat, welche besonderen Trainingskonzepte er verfolgt, wie justfootball kleine Kicker kindgerecht ausbildet und Vereine unterstützt.

Thomas: Daniel, wie spielen die Kinder in der Schweiz am Wochenende? Gibt es im Kinderfußball eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland?

Daniel Widmer: In der Schweiz gibt es seit der Saison 2021 das Projekt "play more football", das die Spielfeldgrößen und Teamgrößen verkleinert. In der Kategorie G spielen die Kinder eine Turnierform im Modus jeder gegen jeden. Gespielt wird im 2 gegen 2 und 3 gegen 3 in verschiedenen kleinen Spielfeldern auf unterschiedliche Tore. Dabei kommen 2-4 Minitore und größere Tore zum Einsatz. Außerdem gibt es eine Vielseitigkeitszone, in der parallel spannende Sportaufgaben wie Fangspiele, Parcours oder Seilspringen angeboten werden. In der Kategorie F wird 3 gegen 3 auf 4 Minitore und 4 gegen 4 auf 2 Jugendtore gespielt. In der Kategorie E spielen wir parallel 3 gegen 3 auf 4 Minitore und 6 gegen 6 auf 2 Jugendtore. Es soll erreicht werden, dass wieder mehr Kinder länger Fußball spielen und viel Spaß haben.
Thomas: Welche Trainingskonzepte gibt es in der Schweiz, um diesen spielerischen Ansatz und die kindgerechten Spielformen zu fördern?

Daniel Widmer
: Wir arbeiten bei justfootball schon sehr lange in Kleingruppen und mit kleinen Spielformen. Wir spielen im Maximum 3 gegen 3 und lassen die Kinder Über-/Unterzahlsituationen schaffen. Nach einer Aktivierung (z. B. mit einem Fangspiel) erarbeiten wir mit den Kindern spielerisch technische Schwerpunkte. In Spielformen trainieren wir das Entscheidungsverhalten mit verschiedenen Zonen und Aufgaben, möglichst kombiniert mit Torschüssen. Die Kinder sollen lernen, Spielsituationen durch ihre individuellen Fähigkeiten zu lösen. Wir spielen immer 1 gegen 1 - frontal, seitlich und mit Gegner im Rücken. Das Training folgt dem Spielen-Üben-Spielen-Prinzip, und am Ende steht immer ein freies Fußballspiel. In Trainingsturnieren mischen wir sogar die Mannschaften immer neu, sodass die Kinder lernen mit ständig wechselnden Spielpartnern zusammenzuspielen. Nach dem Training holen wir uns ein Feedback von den Kindern. Sie können das Training und einzelne Übungen bewerten und uns erklären, was ihnen gefallen und nicht gefallen hat und was wir anders machen können. Sie können sich auch gegenseitig bewerten und loben, wobei wir bei den Kleinsten nur mit positivem Feedback arbeiten. Wenn Kinder schon vor Trainingsbeginn auf dem Sportplatz sind, geben wir ihnen freie Spielzeit und lassen die Spiele bis zu 15 Minuten nach Beginn der Trainingszeit laufen - erst dann starten wir mit der Begrüßung. 
Thomas: Was genau ist justfootball und was bietet ihr für den Kinderfußball an?

Daniel Widmer
:  Fabian Erny und ich haben 2009 mit Trainingsvideos begonnen, die wir mit Trainern des FC Pratteln (in der Nähe von Basel) aufgenommen und als justfootball.tv hochgeladen haben. 2011 haben wir die justfootball Academy gegründet, unsere eigene Fußballschule mit Verein. Wir bieten professionelles, kindgerechtes Training und Camps, produzieren hochwertige Trainingsvideos und beraten und unterstützen Vereine in der Trainingsarbeit. Darüber hinaus haben wir zusammen mit Christian Titz Coaching Zone entwickelt, eine umfangreiche Trainingssoftware mit sehr vielen Videos und Trainingsformen für Vereine, die eine Trainingsstruktur erleichtert und die Trainer:innen in ihrer Arbeit unterstützt. 
Ein Video von einem play more football-Turnier findet ihr hier:
Initial veröffentlicht: 07.03.2022 | Zuletzt aktualisiert: 07.03.2022

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