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Wissen rund um den Kinderfußball

Kinder- und Jugendfußball international

Wir werfen einen Blick in andere europäische Länder und schauen uns dort die Besonderheiten des Kinder- und Jugendfußballs in Training und Spielbetrieb an. Was machen andere Länder besser als Deutschland und was können wir von ihnen lernen?

Erfolge der Nachwuchsausbildung in Spanien
Spanien ist aktueller Welt- und Europameister und für eine besonders gute Nachwuchsausbildung bekannt. Überdurchschnittlich viele junge Spieler schaffen den Sprung aus dem Nachwuchsfußball in den Profisport. Beim FC Barcelona standen in den ersten beiden Spielen der Saison 2026/2027 in La Liga 8 bzw. 9 Spanier in der Startelf, davon 7 aus dem eigenen Nachwuchs des bekannten Ausbildungszentrums La Masia. Dazu gibt Barcelona viele ausgebildete Spieler an andere Vereine ab. Der Kader von Athletic Bilbao besteht sogar nur aus Spaniern, weil der Club nur Spieler mit baskischem Bezug aufnimmt.  Alle Spieler müssen entweder im Baskenland geboren oder in der Jugendakademie eines baskischen Vereins ausgebildet worden sein. Bereits 1912 beschloss der Athletic Club, nur noch auf lokale Spieler zu setzen. Er versteht sich als Repräsentant der baskischen Kultur und Region. Die Bindung zwischen Fans, Stadt und Mannschaft ist durch die gemeinsamen Wurzeln stark ausgeprägt.  Da der globale Transfermarkt ausgeschlossen ist, fließt der Großteil aller Ressourcen in das Nachwuchszentrum Lezama, um kontinuierlich baskische Talente hervorzubringen. Obwohl Athletic Bilbao durch diese Selbstbeschränkung im modernen Milliardenfußball einen erheblichen Wettbewerbsnachteil hat, spielt der Klub oft international und gehört neben Real Madrid und dem FC Barcelona zu den einzigen drei Vereinen Spaniens, die noch nie aus der 1. Liga abgestiegen sind.
Ausbildungsphilosophie in Spanien - der Einfluss von Johann Cruyff
Johann Cruyff gilt als der architektonische Vater des modernen spanischen Fußballs. Sein Einfluss revolutionierte die Nachwuchsausbildung von Grund auf – erst beim FC Barcelona, später im gesamten spanischen Fußball. Bereits 1979 überzeugte Cruyff den damaligen Barca-Präsidenten Josep Lluís Núñez, eine feste Akademie nach dem Vorbild von Ajax Amsterdam einzurichten. Als Cruyff 1988 Cheftrainer des FC Barcelona wurde, setzte er durch, dass alle Nachwuchsmannschaften von der U10 bis zur B-Mannschaft im selben System (3-4-3 / 4-3-3) und mit derselben Spielphilosophie agieren. Zu den Kernbausteinen der Trainingsmethodik zählen das Training in engen Räumen unter Gegnerdruck, das in Form von Rondos zur täglichen Standardübung gemacht wurde, um schnelle Entscheidungen zu schulen. Spieler lernten in Spielformen von klein auf, Überzahl zu kreieren und den freien Raum durch geschicktes Freilaufen zu besetzen. Unter Cruyff wurden Spielverständnis, Passschärfe, Ballannahme und Raumgefühl zu den primären Sichtungskriterien – nicht Körpergröße oder Muskelmasse. Ein berühmtes Beispiel ist Pep Guardiola: Als junger Spieler galt er vielen Trainern als zu langsam und körperlich zu schwach, doch Cruyff erkannte sein taktisches Genie und machte ihn zum Dreh- und Angelpunkt seines "Dreamteams". 1990 feierte Guardiola sein Profidebüt in La Liga. Er wurde schnell Stammspieler und Taktgeber im Mittelfeld. 1992 gewann er mit Barcelona im Wembley-Stadion den ersten Europapokal der Landesmeister der Vereinsgeschichte und holte im selben Jahr mit Spanien Gold bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Von 1991 bis 1994 gewann er mit Barça vier spanische Meisterschaften in Folge. Johann Cruyffs Spielphilosophie gilt als das Fundament für die goldene Ära der spanischen Nationalmannschaft, die mit diesem ballbesitzorientierten Stil die EM 2008, die WM 2010 und die EM 2012 dominierte. 
Training und Spielbetrieb in Spanien - der Einfluss von Horst Wein
Ab den 1980er Jahren prägte Horst Wein die spanische Nachwuchsausbildung. Er kam 1973 erstmals als Feldhockeynationaltrainer nach Spanien. Ab Mitte der 1980er Jahre wandte er sich dem Fußball zu und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2016 in der Nähe von Barcelona. Von dort aus entwickelte er neue Konzepte für den Kinder- und Jugendfußball, u. a. die Spielform FUNiño (aus englisch FUN und spanisch Niño für Kind). Statt Großfeld oder 7 gegen 7 schickte er die Kinder im 3 gegen 3 auf vier Minitore ohne Torwart aufs Feld. Dadurch stiegen die Ballkontakte, Dribblings, Spielverlagerungen und Torabschlüsse pro Kind erheblich an.  Anstatt Anweisungen von der Seitenlinie zu rufen („Spiel nach rechts!“), richtete sich Wein mit gezielten Fragen an die Kinder („Wo war beim letzten Angriff der meiste Platz?“). Dadurch entwickelte er mündige, spielintelligente Akteure.  Unter dem Motto „Vom Kopf in die Füße“ stellte Wein das selbstständige Denken der Kinder in den Vordergrund. Trainer sollten Spielern keine festen Schemata oder Positionen aufzwingen, sondern Lernumgebungen schaffen, in denen Kinder Spielsituationen selbst wahrnehmen, verstehen und lösen. Wein arbeitete eng mit dem spanischen Fußballverband Real Federación Española de Fútbol (RFEF) zusammen.  Für Horst Wein sollten Spielformen altersgerecht wie Kleidung mit den Kindern wachsen. Die RFEF übernahm sein Stufenmodell als offizielles Lehrkonzept für den Nachwuchsbereich, wodurch sich die Ausbildung im gesamten Land vereinheitlichte. Sein Buch „Fútbol a la medida del niño“ wurde von der RFEF als offizielles Lehrbuch für die Trainerausbildung adaptiert. Jeder angehende Nachwuchstrainer in Spanien musste seine Prinzipien erlernen. Darüber hinaus beriet Horst Wein die spanischen Profivereine wie den FC Barcelona (La Masia), Athletic Bilbao (Lezama) oder Villarreal CF, die seine Ideen übernahmen und seine Spielformen nutzten, um technische Fertigkeiten ausschließlich unter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck zu schulen. Die RFEF richtete die Spielformen im gesamten Land nach Horst Weins 5-Stufen-Modell aus, bei dem das Spielfeld, die Ballgröße und die Teamstärke dynamisch an das Alter anpasst werden. Kindgerechte Regeln wie das Drittelabseits (Abseits nur im markierten letzten Drittel vor dem Tor) erleichtern dabei das Erlernen komplexer Spielsituationen. 
Futsal und Strandfußball in Spanien
In Spanien sind Futsal und Strandfußball (Fútbol Playa) Bestandteile der Nachwuchsentwicklung. Futsal wird auf Vereinsebene mit einem eigenen Ligensystem gespielt und gehört zum Verband RFEF. Es gibt ein einheitliches Spielerpasssystem, sodass die Spieler jederzeit zwischen Feldfußball und Futsal hin- und herwechseln können. Topclubs wie der FC Barcelona  betreiben eigenständige Profi- und Jugend-Futsalteams. Nachwuchsspieler durchlaufen dort gezielt Futsal-Ausbildungsschritte, bevor sie sich final spezialisieren. So haben z. B. bekannte Nationalspieler wie  Andrés Iniesta oder Xavi in ihrer Jugend intensiv Futsal gespielt.  Reine Fußballclubs kooperieren häufig mit lokalen Futsal-Vereinen, um ihren Jugendlichen zusätzliche Trainingseinheiten im Hallenbereich anzubieten. Durch das kleine Spielfeld im Futsal (40 × 20 Meter) und die Teamgröße von 5 gegen 5 haben Kinder ein Vielfaches an Ballkontakten im Vergleich zum Großfeld und lernen, in engen Räumen schnelle Entscheidungen zu treffen.  Strandfußball (Fútbol Playa) wird in Spanien vor allem in den Sommermonaten und in Küstenregionen wie Andalusien, Katalonien, Valencia oder den Kanaren gespielt. Der unebene Untergrund kräftigt die Fuß- und Sprunggelenksmuskulatur. Spielen im tiefen Sand erfordert ein hohes Maß an Rumpfstabilität, Gelenkfestigkeit und Gleichgewichtssinn.  Da der Ball auf unebenem Sand schwer zu rollen ist, verlagert sich das Spiel in die Luft. Kinder lernen beidfüßige Volleyschüsse, Heber und Fallrückzieher.   
Erfolge der Nachwuchsausbildung in England
England ist aktueller Vize-Europameister und Dritter der WM 2026. Außerdem hat die englische U21 die letzten beiden Europameisterschaften 2023 und 2025 gewonnen. Die Premiere League gilt als die stärkste Profiliga der Welt, die Championchip als die beste und härteste zweite Liga im Profifußball, weil dort sehr viele Pflichtspiele und Pokalwettbewerbe absolviert werden. Obwohl die Vereine in beiden Profiligen viele ausländische Spieler holen und sehr hohe Transfersummen zahlen, spielen dort viele junge englische Spieler. Selbst ein Topclub und ewiger Meisterschaftskandidat wie Manchester City als ein Beispiel spielte zur Saisoneröffnung 2026/2027 gegen den AFC Bournemouth mit 3 "Eigengewächsen", also Spielern aus dem eigenen Nachwuchs in der Startelf: O'Reilly, Lewis und Foden - alle seit 13-17 Jahren bei Man City und 21-26 Jahre alt. Die hochmoderne City Football Academy (CFA) gilt als ein echtes Erfolgsmodell. Laut Recherche im Dezember 2014 für 200 Millionen € gebaut haben seit dem weit über 100 ausgebildete Spieler den Sprung in den Profifußball geschafft, davon etwa 15 in der eigenen Mannschaft. Durch den Verkauf von Eigengewächsen hat die CFA bisher ca. 400 Millionen € erwirtschaftet und die City-Nachwuchsteams dominieren seit Jahren die englischen Nachwuchsligen und sammelten mehrfach in Folge Titel in der Premiere League 2 und im FA Youth Cup.  
Training und Spielerentwicklung in England
Die Topakademien in England verfügen über eine sehr gute finanzielle Ausstattung.  Vereine wie Manchester City, Chelsea, Arsenal oder FC Liverpool investieren zweistellige Millionenbeträge pro Jahr in ihrer Akademien. Das Betreuungsverhältnis (Trainer, Physiotherapeuten, Sportpsychologen zu Spielern) ist hoch. Den Sprung zu den Profis erleichtern den englischen Talenten die Premiere League 2 und das Leihsystem (Loan System). Topklubs verleihen ihre Talente gezielt in die EFL Championship oder ins Ausland (z. B. Bundesliga), um ihnen Spielpraxis unter Profibedingungen zu verschaffen. 2012 eröffnete der englische Verband FA mit St. George’s Park ein nationales Leistungszentrum. Dort wurden alle Juniorennationalteams zusammengezogen und eine einheitliche Spielphilosophie entwickelt. Von der U15 bis zur A-Nationalmannschaft wird eine ähnliche Spielidee verfolgt (dominanter Ballbesitzfußball, hohes Pressing, schnelles Umschalten). Die Trainerlizenzen wurden grundlegend überarbeitet. Der Fokus der Trainerausbildung liegt auf der individueller Spielerentwicklung statt auf reinem Teamerfolg im Jugendbereich. Der Kern des täglichen Trainings im englischen Kinderfußball (U7–U11) besteht aus Small Sided Games, also Spielformen auf engem Raum mit geringer Spielerzahl (2v2, 3v3, 4v4).
Spielbetrieb in England
Im Amateursport (Grassroots) von U7 bis U11 gibt es keinen Spielbetrieb mit Ergebnissen und Tabellen. Bis zu drei kurze Turniere pro Saison (Trophy Events) dürfen veranstaltet werden, bei denen Ergebnisse innerhalb des Turniers erlaubt sind und Trophäen vergeben werden dürfen.  Ab U12 gibt es den Grassroots-Spielbetrieb. Während also im regulären englischen Jugendfußball Tabellen ab der U12 geführt werden, verfolgt die Premiere League im eigenen Akademiensystem bis zur U16 das Prinzip der Entwicklung vor Ergebnis. U9 bis U16 (Foundation & Youth Development Phase): In den Altersklassen der Akademieteams finden zwar wöchentlich Spiele statt, es werden aber bewusst keine offiziellen Ligatabellen oder Punktestände geführt. Der Fokus liegt ausschließlich auf der individuellen technischen und taktischen Ausbildung. Erst ab der U18 (Professional Development Phase): In den Kategorien U18 Premier League und Premier League 2 (U21) wird in offiziellen Ligen mit festen Ergebnistabellen, Meistertiteln und Play-offs gespielt.  Der englische Verband setzt im Kinder- und Jugendfußball auf einen stufenweisen Übergang (FA Youth Football Pathway), bei dem Spielfeld-, Tor- und Ballgrößen mit dem Alter der Kinder wachsen. Es gilt die Vorgabe, dass alle anwesenden Kinder gleichzeitig spielen sollen. U7/U8 dürfen maximal im 5 gegen 5 spielen, U9/U10 maximal im 7 gegen 7. Den Trainern ist vorgeschrieben, sich vor Ort auf kleine Spielformen zu einigen, die allen Kinder gleichzeitig das Mitspielen ermöglichen. Treffen sich z. B. 2 Mannschaften der U8 mit je 7 Spielern soll nicht 1 x 5 gegen 5 mit Ersatzspielern, sondern 1 x 3 gegen 3 und 1 x 4 gegen 4 gespielt werden. Außerdem gibt es eine Überzahlregel zum Stärkeausgleich ( Power Play Law). Beim Stand von 0:4 spielt das unterlegene Team mit 1 Spieler in Überzahl, beim Stand von 0:6 mit 2 Spielern in Überzahl.
Initial veröffentlicht: 12.09.2026 | Zuletzt aktualisiert: 12.09.2026

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