Kickplan Campus

Wissen rund um den Kinderfußball

Die Intensität von Spielformen

Und warum große Spielformen Jugendliche nicht mehr abholen

Die Hauptfaktoren der Intensität
Spielformen sind Spiele von 2 Mannschaften auf Tore. Sie sind die Basis der Mannschaftssportarten in Training und Wettspiel. Spielformen sollten intensiv gestaltet sein, damit die Spieler viele Ballaktionen haben und die Techniken und Bewegungsabläufe des Sports vielfach anwenden und verbessern können. Es gibt zwei Hauptfaktoren, die die Intensität von Spielformen bestimmen.
Faktor 1 ist die Größe des Spielfelds. Je kleiner das Feld ist, indem die Spielform stattfindet, desto intensiver ist das Spiel.  Die Spieler sind quasi überall in Ballnähe und immer am Spiel beteiligt. Je größer das Feld ist, desto mehr nimmt die Intensität ab, weil die Entfernungen zwischen Spielern, Ball und Toren weite Laufwege, Passwege und Schusswege bedeuten. Faktor 2 ist die Anzahl der Spieler auf dem Feld. Je geringer die Teamgrößen sind, desto intensiver wird das Spiel. Die Spieler kommen häufig in Ballbesitz und können spielrelevante Aktionen ausführen. Umgekehrt nimmt die Spielbeteiligung des einzelnen Spieler deutlich ab, wenn die Zahl der Teamsspieler und damit die Konkurrenz um den Ball steigt. Die Intensität lässt sich recht einfach anhand der Ballquote bestimmen. Sie liegt etwa beim 2 gegen 2 bei 1:4 (1 Ball für 4 Spieler), beim 3 gegen 3 bei 1:6, beim 7 gegen 7 bei 1:14 und steigt bis zum 11:11 auf 1:22 (nur 1 Ball für 22 Spieler). Beispiele für Mannschaftssportarten mit hoher Intensität sind Basketball, Eishockey und Handball. Dagegen haben Fußball und Feldhockey eher eine geringe Intensität, da es dort viele mit Spielern besetzte Bereiche des Feldes gibt, in denen sich der Ball nicht befindet.
Mögliche Nebenfaktoren der Intensität
Weitere Nebenfaktoren, die Einfluss auf die Intensität von Spielformen haben, sind z. B. die Anzahl der Bälle im Spiel, Ersatzbälle am Rand (Balldepots), die Anzahl der Tore, die Anzahl der Wechselspieler oder die Spielregeln.  
Große Spielformen als Problem im Jugendalter
Jugendliche ab einem Alter von etwa 12 Jahren beginnen, sich selbst, ihren Körper und ihre Lebenswelt zu hinterfragen. Sie sind oft kritisch, emotional und anspruchsvoll. Da das Angebot an Sport, Kultur und Medien inzwischen riesig ist, suchen sie sich nicht selten Hobbys, die ihre Ansprüche erfüllen, die also schnell, actiongeladen und leicht erreichbar sind. Sie streben nach Anerkennung, Wertschätzung und Teilhabe. Große Spielformen wie im Fußball das 9 gegen 9 oder 11 gegen 11 werden diesen jugendlichen Wünschen nicht gerecht. Sie führen zu weiten Entfernungen, wenigen Ballaktionen und festen Positionen, von denen manche nicht populär sind. Jeder ist gerne Mittelstürmer, aber nicht jeder gerne linker Außenverteidiger. Findet ein Spiel in einer großen Spielform weitgehend auf einer Seite statt, haben die Spieler auf der anderen Seite kaum Ballaktionen. Gleiches gilt für Torhüter deutlich überlegener und Stürmer deutlich unterlegener Mannschaften. Darüber hinaus schließen große Spielformen als Einzelspiele systematisch Spieler aus, weil nur 9 oder 11 Spieler einer Mannschaft gleichzeitig spielen können. Alle anderen sitzen auf der Ersatzbank oder werden gar nicht erst nominiert. Deshalb begünstigen große Spielformen in Training und Wettspiel den Dropout, weil sich die Jugendlichen von ihnen nicht mehr abgeholt fühlen.
Kleinere Spielformen als Turniere und Twin Games - ein ergänzender Teil der Lösung
Bezogen auf den Fußball lässt sich feststellen, dass er für Jugendliche wieder attraktiver sein und sie motivieren muss, mit Freude daran teilzunehmen. Kleinere Spielformen als Ergänzungen zum regulären Spielbetrieb oder zusätzliche Turnierangebote könnten ein Teil der Lösung sein. Bei Turnieren und Twin Games in kleinen Spielformen können auch Spieler zum Einsatz kommen und viele Ballaktionen haben, die in den Ligaspielen im 9 gegen 9 oder 11 gegen 11 kaum Spielzeit erhalten oder am eigentlichen Spiel kaum beteiligt sind. Diese Turniere und Twin Games könnten als zusätzliche Serien und Angebote über die ganze Saison gespielt werden, um Jugendliche zu motivieren, jede Woche dem Fußballsport nachzugehen.  
Initial veröffentlicht: 13.09.2026 | Zuletzt aktualisiert: 13.09.2026

Noch nicht genug?

Passende Podcast-Episoden zu diesem Thema

Jan Reiners
Tim Brandes
Stevie Brunner
mit Gaudi-Übung
Donnerstag, 01. September 2022
#53 Stevie Brunner: Warum die Schweiz in der U12-14 ein besonderes Spielmodell eingeführt hat

Grüezi aus der Schweiz! Tim und Jan sind schnell im Kickplan Privatjet zu unseren Nachbarn in die Schweiz gejettet, um mit Stevie Brunner über das Footeco-System in der Schweiz zu sprechen. Uns hat interessiert, was die Schweizer Jungs und Mädels anders machen, warum sie machen und wie schnell sich das in der Schweiz hat umsetzen lassen.

Zur Episode
Jan Reiners
Tim Brandes
Prof. Dr. Torsten Schlesinger
Donnerstag, 05. Mai 2022
#43 Dr. Torsten Schlesinger (Ruhr-Universität Bochum): Ist der Drop-Out vermeidbar?

Warum hören junge Menschen auf Sport zu treiben oder am Vereinsleben teilzunehmen? Welche Gruppe ist statistisch gesehen am meisten gefährdet aufzuhören und was können wir als Vereine und Trainer:innen dagegen tun? Wir sprechen mit Dr. Torsten Schlesinger, der seit Jahren zu dieser Thematik forscht und ganz nebenbei auch noch ein großer Fußball-Enthusiast ist.

Zur Episode

Die Kinderfußball-Community

Traineraustausch rund um den modernen Kinderfußball

Unsere Trainer-Community ist ein frei zugänglicher Discord-Chat für alle interessierten Menschen, die Themen rund um den modernen Kinderfußball teilen und in entspannter und freundschaftlicher Atmospähre diskutieren.

Komm dazu

...und tausch dich aus!

Jetzt beitreten