Kickplan-Blog

In unserem Blog berichten ausgewählte Experten über aktuelle Entwicklungen im modernen Kinderfußball und unserer Plattform.

Roland Rasch / Samstag, 22. Mai 2021, 00:00 Uhr
Ein Plädoyer für die richtige Torgröße

Schaut man sich das Verhältnis eines Kindes in einem Jugendtor zu dem Verhältnis eines Erwachsenen in einem Bundesligator an, lässt sich Spannendes feststellen.


Über den Autor
Roland Rasch
... ist DFB-Elite-Jugend-Lizenzanwärter, erfolgreicher Absolvent des DFB-Torwartrainer Leistungskurses und trainiert in der 96-Akademie (Nachwuchsleistungszentrum) die Torhüter der U13, U14 und U15 sowie in der 96-Fußballschule und der Torwartschule gemeinsam mit Peter Rasch die jungen Torhüter:innen. 

Roland bringt langjährige Trainingserfahrung aus der Praxis mit, forciert Struktur und Innovation im Trainingsalltag und schärft die Profile der Torwartschule sowie der 96-Fußballschule im sportlichen und kommunikativen Bereich. Mit seinen Erfahrungen als hybrider Trainer baut Roland auch immer wieder die Brücke vom isolierten Torwart- zum integrierten Mannschaftstraining, besonders im Kinderfußball.

Chancengleichheit


Dass das 7 gegen 7 auf Jugendtore mit den neuen Spielformen in der Entwicklung der Fußballer:innen nach hinten verschoben wird, hat triftige Gründe. Nicht nur soll der Ballkontakt geschult, Stellungsspiel entwickelt, oder Taktieren geübt werden, sondern auch gut Torhüter ausgebildet werden.
"Aber wie soll das gehen, wenn niemand im Tor steht? Wie sollen die Kids lernen ein Tor zu verteidigen, wie sollen sie springen und abwehren üben?"

Schauen wir auf die Problematik des Tores an sich:
Ein Jugendtor ist 5 m breit und 2 m hoch. Laut Perzentillenkurve ist ein G-Junior ungefähr 120 cm groß. Stellt man diese beiden Größen in Bezug zueinander erhält man ein Kind, dass in einem sehr großen Tor steht und etwas verloren ausschaut.
Zum Vergleich: Nimmt man den Faktor aus dem Verhältnis, den der Junior zum Jugendtor hat und wendet das auf Manuel Neuer in einem Bundesligator an, ergibt sich ein Bundesligator von 30,5 m Länge und 4,05 m Höhe.

Dieses Gedankenexperiment zeigt deutlich welchen äußeren Faktoren Kinder-Torhüter:innen ausgesetzt sind. Wir als Trainer, Eltern, Fußballbegeisterte sollten uns daher überlegen, inwieweit das Kind durch genau diese äußeren Umstände demotiviert wird und welche Erfahrungen es mit, beziehungsweise in der Rolle des Torhütenden machen sollte.

Zusätzlich erhalten wir durch die neuen Spielformen natürlich auch die Möglichkeit jedem Kind, egal welche genetischen oder sportlichen Voraussetzungen es mitbringt, die Chance zu geben sich als Torhüter:in auszuprobieren! 
Und nur so können wir Kinder von der Rolle im Tor überzeugen, sie sich selbst einfinden und zu dem entwickeln lassen, was sie dann werden können – hervorragende Torhüter:innen.